Die Wartburg – Ein geschichtsträchtiges Weltkulturerbe bei Eisenach

Auf den Spuren Martin Luthers, der Weißen Tauben und der Wartburgesel

Anlässlich des Lutherjahres 2017 (500 Jahre Reformation) möchte ich diesen Beitrag heute der nahe der thüringischen Stadt Eisenach gelegenen Wartburg widmen. Dieses sehr empfehlenswerte Ausflugsziel wurde um 1067 von Ludwig dem Springer errichtet und gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg

Das UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg gilt als eine der berühmtesten und beliebtesten Festungen in Deutschland

Die Burg gilt als eine der bekanntesten und populärsten innerhalb Deutschlands. Der ehemals landgräfliche Hauptsitz ging als das Zentrum des mittelalterlichen Dichtens und Minnesangs in die Geschichte ein. Bis 1228 wohnte hier die Heilige Elisabeth von Thüringen als Frau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Als ihr Ehemann bei einem Kreuzzug ums Leben kam, widmete sie sich komplett einem Leben in Armut sowie der Unterstützung armer und kranker Mitmenschen.

Vor allem Martin Luther jedoch verdankt die Wartburg ihren weltweiten Bekanntheitsgrad. Die Festung bot dem vom Kaiser und der katholischen Kirche verfolgten Reformator Schutz. Hier übersetzte er das Neue Testament der Bibel ins Deutsche und schuf infolgedessen eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Besucher der Wartburg haben noch heute die Gelenheit, eine eindrucksvolle Sammlung reformatorischer Flugschriften, eine von Martin Luther handschriftlich kommentierte Bibel und andere originale Gegenstände aus dem Besitz des Reformators zu bestaunen.

Das frühere Studierzimmer Martin Luthers

Das frühere Studierzimmer Martin Luthers auf der Wartburg

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die vor dem Verfall stehende Burganlage auf Weisung des Weimarer Großherzog Carl Alexander umfangreich renoviert. Unter anderem sanierte man die mittelalterliche Bausubstanz und ergänzte die Festung durch weitere nach historischen Muster errichtete Neubauten. Als Attraktion gilt auch heute noch der Palasfestsaal, in dem in der warmen Jahreszeit verschiedene Konzerte abgehalten werden. Ebenfalls imposant sind die Fresken des spätromantischen Malers Moritz von Schwind, der auf ihnen das Leben und Wirken der Heiligen Elisabeth sowie den Sängerkrieg darstellte.

Ein Ausflugstipp der besonderen Art zur Wartburg ist ein Eselsritt. In der warmen Jahreszeit warten die Grautiere an der Eselstation in Eisenach. Schon seit 1900 gibt es für kleine und große Besucher die Gelegenheit, mit den ca. zehn Eseln die 400 Meter lange Strecke zur Burg hinaufreiten. Die rund 20minütige Tour führt am Elisabethen-Denkmal vorbei und endet auf dem Parkplatz vor der Festung. Wer die Umgebung von dem Rücken eines Esels aus auf sich wirken lassen möchte, sollte allerdings nicht mehr als 65 kg wiegen. Zu beachten ist ebenfalls, dass der Ritt nur bei schönem Wetter stattfindet.

Süße Wartburgesel aus Plüsch

Süße Wartburgesel aus Plüsch in der Touristeninformation auf der Wartburg

Nach Ankunft auf der Wartburg können kleine Plüschesel in der dortigen Touristen-Information erworben werden. Die Vorfahren der echten Wartburgesel dienten über mehrere Jahrhunderte hinweg als Lasttiere zur Versorgung der Burg mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Baumaterial und Brennholz. Deshalb finden Besucher der Wartburg neben Martin Luthers Studierzimmer ebenfalls das Eselstübchen. Bei letzterem handelt es sich um den ehemaligen Schlafraum des burgeigenen Eseltreibers. Über viele Jahrhunderte hinweg waren auch die Einwohner des in der Eisenacher Weststadt gelegenen Ehrensteigs mit ihren grauen Vierbeinern für die täglich anfallenden Botengänge der Wartburg zuständig. Als Gegenleistung wurden sie von allen Steuern und Abgaben befreit.

Pfautauben auf der Wartburg

Pfautauben auf der Wartburg – Diese Vogelart kam im 16. Jahrhundert von Indien nach Deutschland

Erwähnenswert sind auch die weißen Wartburg-Tauben. Besucher treffen zahlreiche von ihnen im Außenbereich der Festung an. Die Vögel zählen zu der Art der Pfautauben, die im 16. Jahrhundert von Indien nach Europa gelangten. Diese Zeitangabe ist in historischen Dokumenten belegt und widerspricht der Legende, der zufolge die Heilige Elisabeth die Tauben im 13. Jahrhundert mit auf die Wartburg brachte. Die Pfautauben zählen zu den weltweit ältesten gezüchteten Tauben.

Video zur Wartburg: